Mittelschüler testen Handwerksberufe
Nach einem Bericht von K. Groitl, Berufsberater
Damit die Schülerinnen und Schülern die Entscheidung für den richtigen Beruf, die zum Ende der 8. Klasse ansteht, leichter treffen können, erhalten sie zahlreiche Angebote im Rahmen der Berufsorientierung. Eine Woche lang bekamen die Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen der Mittelschulen Waldmünchen, Tiefenbach und Rötz fundierte Einblicke in die gängigsten Handwerksberufe im Landkreis. In diesem Jahr läuft diese Maßnahme für die 8. Klassen aller Mittelschulen im Landkreis Cham bereits zum vierten Mal. Initiiert und finanziert wird diese praktische Woche durch die Agentur für Arbeit und das Schulamt Cham. Beim Wettbewerb um den European Enterprise Award, bei dem der Landkreis mit seinen „Berufswahltagen“ deutschlandweit unter den zehn besten Projekten landete, wurde diese Maßnahme der Berufsorientierung als Musterbeispiel innovativer Ausgestaltung herausgehoben. Durchgeführt wird die Orientierungswoche vom Kolping-Bildungswerk und dem Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer in Cham.
Vor wenigen Tagen fand für die 8. Klassen der Schulen des Mittelschulverbundes Waldmünchen der Unterricht fernab vom Klassenzimmer statt. Über 50 Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen fanden sich am Montagmorgen mit ihren Klassenleitern Maria Pfeilschifter-Reindl aus Rötz, Franz Liebl aus Tiefenbach und Gabriele Plötz von der Schwarzachtal-Mittelschule Waldmünchen in der Handwerkskammer in Cham ein, um an dieser Maßnahme teilzunehmen. Bei der Mittelschule Rötz betreute mit Franz-Josef Wiedenbusch ein Vater die Klasse mit.
Die Schülerinnen und Schüler wurden vom Leiter der Handwerkskammer in Cham, Josef Ramsauer, begrüßt. Dieser führte die Jugendlichen und die Lehrkräfte ins Thema „Ausbildung im Handwerk“ ein. Neben den Möglichkeiten in der Ausbildung standen aber auch Weiterbildungsmöglichkeiten und Chancen im Mittelpunkt. Den Schülern wurde aufgezeigt, was eine Handwerksausbildung von ihnen verlangt. Die Berufsfelder Metall, Holz, Elektro und Handel wurden deshalb ausgewählt, weil es hier im Landkreis sehr viele Ausbildungsplätze gibt.
Es wird nicht mehr zwischen Männer- und Frauenberufe unterschieden, deshalb wurden die Mädchen und Jungs in allen Berufsfeldern auch gleichermaßen eingesetzt.
Nachdem die Arbeitsstätten besichtigt waren, ging es gleich an das Werk. Die Jugendlichen wurden in vier Gruppen aufgeteilt, die jeweils einen Tag in jedem Berufsfeld verbrachten.
Im Elektrobereich der, ebenso wie der Bereich Handel, durch das Kolping-Bildungswerk durchgeführt wurde, ging es erst einmal darum Steckerverbindungen herzustellen. Ziel der Tätigkeiten in diesem Bereich war es, unter Anleitung von Ausbilder Gerhard Vogl, ein Schild mit LED Beleuchtung für den Jugendlichen herzustellen. Genauigkeit und Fingergeschick waren bei Arbeiten wie abisolieren und löten gefragt. Spannend war dann am Ende die Frage: blinkt die auf dem Schild vorgenommene Installation.
Der Bereich Handel stand als Nächstes im Fokus, galt er doch bisher überwiegend als Frauenbereich. Das Kolping-Bildungswerk hat dabei einen seiner Schulungsräume fest zu einem „Tante-Emma-Laden“ umgebaut. Die Schüler konnten hier unter Anleitung von Fritz Wimmer und Heidi Eckmann den kompletten Ablauf eines Handelsbetriebes kennen lernen. Ware prüfen, auszeichnen und verstauen stand dabei ebenso wie Kunden bedienen oder Kassieren auf dem Programm.
In der Handwerkskammer fertigten die Jugendlichen im Bereich Holz eine Werkzeugkiste für den Hausgebrauch an. Die Ausbilder Josef Fischer und Christian Eichinger stellten den Jugendlichen den Prototypen vor und erklärte detailliert jeden Arbeitsschritt anhand einer Skizze. Bevor fleißig gesägt, gefeilt, gebohrt und geschliffen wurde, wurden erst einmal die Sicherheitsvorschriften im Umgang mit den Maschinen exakt erläutert.
Im Berufsfeld Metall stellten die Jugendlichen einen Handy-Halter her. Ausbilder Stefan Altmann achtete dabei ebenso wie seine Kollegen auf eine saubere und genaue Arbeitsausführung. Die fertigen Werkstücke aus den Bereichen Metall, Holz und Elektro durften die Schülerinnen und Schüler am Ende der Woche mit nach Hause nehmen.
Im Metallbereich lernten die Jugendlichen neben Arbeiten wie feilen und löten auch das Arbeiten mit einer modernen CNC-Fräsmaschine kennen. Dabei wurde mit unterschiedlichen Metallen wie Messing, Aluminium oder Kupfer gearbeitet.
Einen halben Tag in der Woche waren auch die Berufsberater der Agentur für Arbeit Werner Lanzinger und Konrad Groitl, die für die Mittelschulen Rötz bzw. Waldmünchen und Tiefenbach zuständig sind, in den Gruppen zu Gast. Sie konnten sich ein Bild davon machen, was die Schülerinnen und Schüler in den Berufsfelder zu leisten haben. Dabei stellten sie fest, dass das sofortige praktische Anwenden von neuem Wissen den meisten Schülerinnen und Schülern riesigen Spaß bereitete. In diesen Tagen stellen auch viele Lehrer immer wieder fest, dass sie ihre Schüler hier von einer ganz anderen Seite kennen lernen und neue Stärken an ihnen entdecken. Die Agentur für Arbeit finanziert diese Maßnahme auch 2011/2012 für die insgesamt über 370 Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen aller Mittelschulen im Landkreis zu einem wesentlichen Teil.
Am Freitagmittag hatten es dann alle geschafft. Neben ihren Werkstücken konnten sie auch ein Zertifikat über die erfolgreiche Teilnahme in Empfang nehmen, dass sie im Herbst 2012 ihren Bewerbungen beilegen können.












































